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  • 2 Stühle bleiben selten allein…

    Im Dezember 1951 konnten zwei historistische Ebenholzstühle mit aufwändigen Elfenbeineinlagen aus dem Privatbesitz von König Wilhelm II. von Württemberg für die Städtische Sammlung erworben werden; vom ausbrannten Wilhelmspalais, dem Wohnsitz des Königs, waren lediglich die Außenmauern als Kriegsruine stehen geblieben. Die kostbaren Stühle nahm man gerne in städtischen Besitz. Ebenfalls 1951 wechselte der Architekt und Bonatz-Schüler, Wilhelm Tiedje (1898-1987), an die Bauingenieursabteilung der Technischen Hochschule Stuttgart.

    Zehn Jahre später sollte Wilhelm Tiedje den Auftrag zum Wiederaufbau des zerstörten Wilhelmspalais als Stadtbücherei erhalten. Die Gestaltung des bibliothekarischen Innenausbaus entwarf Herta Maria Witzemann (1918-1999), Innenarchitektin und Professorin an der Kunstakademie Stuttgart. Maximilian Debus (1904-1981), Professor an der Technischen Hochschule Stuttgart, übernahm die Farbberatung und die Beschriftung.

    Mit dem Umbau in den Jahren 1961 bis 1965 wurde aus dem königlichen Palais mit privater Nutzung nicht nur ein beachtenswertes Baudenkmal der Nachkriegsarchitektur, sondern auch ein öffentliches Gebäude, das eine ungeheure Beliebtheit erlangte. Anders als die repräsentative Wohnausstattung des württembergischen Königspaares, die nur geladenen Gästen bekannt war, nutzten die Büchereiangestellten sowie hunderttausende von Leserinnen und Lesern regelmäßig die Stühle, Tische, Bücherregale und Katalogkästen, die Herta Maria Witzemann für die Räume bestimmt hatte. Man gebrauchte sie, man nahm sie kaum wahr, und doch bestimmten sie die einnehmende Raumatmosphäre der Bibliothek und prägte sich bei vielen Menschen ein. Nach 43 Jahre wird sich das Wilhelmspalais nun erneut verändern.

    Der Baubeschluss ist am 23.01.2014 im Gemeinderat der Landeshauptstadt Stuttgart gefallen. Seitdem ist es endgültig: Im Wilhelmspalais wird 2017 das Stadtmuseum Stuttgart eröffnen. Seit dem Auszug der Stadtbibliothek und mit Beginn des Abbruchs von Gebäudeteilen im Innern des Palais stellte sich die Frage der Sicherung von Teilen der erhaltenswerten Innenausstattung von 1965. Diesmal sollten mehr als zwei Stühle erhalten bleiben.

    Teile der charakteristischen Einrichtung konnte der Planungsstab Stadtmuseum inzwischen sichern und als Zeugnisse der eigenen Hausgeschichte in seine Sammlung aufnehmen. Dazu zählen nicht nur die Bibliotheksmöbel aus den Lesesälen, sondern auch die beachtliche 2-flügelige Tür des Max-Bense-Saals oder der große Travertinblock an der Bühnentreppe.

    Aus der Kinderbibliothek konnten die bauzeitlichen Rattanpaneele des Geländers, aus der Graphothek eine der Stehlampen der Erstausstattung und von den zahlreichen Glastüren der Eingangshalle die Bronzegriffe bewahrt werden.

    Zum gesicherten Bestand zählen auch die zeittypischen weißen Deckenlampen, ein beleuchtetes Ausgangsschild, das Telefon des Bücheraufzugs und ein niedlicher „Elefantenfuß“: Dieser Trethocker wäre heute aus arbeitssicherheitstechnischen Gründen nicht mehr erlaubt, aber 1965 war er nützlich, um Bücher in den obersten Regalreihen zu erreichen.

    Die Bronzetafel mit dem beliebten Königspaar vom ehemaligen Bibliothekseingang ist ebenfalls bewahrt und wird auch am neuen Stadtmuseum wieder seinen Platz finden.

  • Zwei Stühle mit hoher Lehne aus Ebenholz mit Elfenbeineinlagen aus dem Privatbesitz König Wilhelms II. von Württemberg.
    Zwei Stühle aus dem Privatbesitz König Wilhelms II. von Württemberg.
  • Karteikasten und Stühle auf Paletten im Depotraum.
    Möbeleinrichtung aus der ehemaligen Stadtbücherei im Depot des Stadtmuseums.
  • Bücherregal mit seitlichen Metallrahmen und hölzernen Fachböden.
    Bücherregal aus der Erstausstattung der Stadtbücherei im Wilhelmspalais 1965.
  • Zettelkasten für die Katalogkärtchen der Stadtbücherei aus Holz auf Metallrahmen.
    Karteikasten aus der Erstausstattung von Herta Maria Witzemann für die Stadtbücherei im Wilhelmspalais 1965.
  • große zweiflügelige Metalltür.
    Tür zum Max-Bense-Saal in der alten Stadtbücherei im Wilhelmspalais.
  • Ansicht der Eingangshalle der ehemaligen Stadtbücherei im Wilhelmspalais 1965.
    Ansicht der Eingangshalle der ehemaligen Stadtbücherei im Wilhelmspalais 1965.
  • Travertinblock im Vortragssaal der ehemaligen Stadtbücherei an der Bühnentreppe.
    Travertinblock an der Bühnentreppe im Vortragssaal.
  • historisches Foto aus dem Lesesaal im ersten Obergeschoss der Stadtbücherei 1965.
    Historisches Foto aus dem Lesesaal im ersten Obergeschoss der Stadtbücherei 1965.
  • Kinder sitzen lesend auf der hölzernen Treppe der Kinderbibliothek.
    Hölzerne Treppe in der Kinderbibliothek der alten Stadtbücherei mit seitlichen Rattanpaneelen 1965.
  • Lampen, Türgriffe, Bronzetafel mit dem Königspaar und Rattanpaneele der ehemaligen Stadtbücherei im Depot des Stadtmuseums.
    Lampen, Türgriffe, Bronzetafel mit dem Königspaar und Rattanpaneele der ehemaligen Stadtbücherei im Depot des Stadtmuseums.
  • Stehlampe aus der Graphothek der ehemaligen Stadtbücherei.
    Stehlampe aus der Graphothek der ehemaligen Stadtbücherei.
  • Telefon, Ausgangsschild und Türgriffe aus der ehemaligen Stadtbücherei im Depot des Stadtmuseums.
    Telefon, Ausgangsschild und Türgriffe aus der ehemaligen Stadtbücherei im Depot des Stadtmuseums.
  • Der Blick in die Eingangshalle zeigt die Travertinwand, die Zwischentreppe ins Halbgeschoss, die Glastüre und den Informationsschalter und eine Sitzgruppe in der ehemaligen Stadtbücherei.
    Blick in die Eingangshalle der alten Stadtbücherei im Wilhelmspalais 1965.
  • "Elefantenfuß" - Trethocker aus der Erstausstattung der ehemaligen Stadtbücherei im Wilhelmspalais 1965. Grün-grauer niedlicher Trethocker auf Rollen.
    "Elefantenfuß" - Trethocker aus der Erstausstattung der ehemaligen Stadtbücherei im Wilhelmspalais 1965.

Ausdruck vom 19.08.2017
http://www.stadtmuseum-stuttgart.de/sammlung-wilhelmspalais.html