Hilfsnavigation, direkter Sprung:

Provenienzforschung im Stadtmuseum

Seit Juni 2016 wird im Planungsstab des Stadtmuseums Stuttgart mit Fördermitteln des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste für insgesamt 3 Jahre eine Stelle zur Provenienzforschung eingerichtet. Primäres Ziel dieser Stelle ist es, Objekte der Sammlung, die unter den Verdacht von NS-verfolgungsbedingtem Entzug fallen, zu identifizieren und ihre Herkunftsgeschichte zu rekonstruieren. Dabei sollen ihre Vorbesitzer und die Umstände des Erwerbs möglichst lückenlos geklärt werden.

Der Aufbau der stadtgeschichtlichen Sammlung begann 1928 nach Gründung des städtischen Archivs und erfuhr in den 1930er und 1940er Jahren eine deutliche Erweiterung. Insgesamt wurden aus der heute rund 10.000 Objekte umfassenden stadtgeschichtlichen Sammlung 1.442 Gegenstände in der Zeit des Nationalsozialismus erworben. Diese Objekte stammen aus verschiedensten Sammlungsbereichen der Stadtgeschichte und schließen Silberobjekte und Kunsthandwerk, aber auch einfache Haushaltsgegenstände, Möbelstücke und Musikinstrumente mit ein. Damit gerät der bisher wenig beachtete Bereich der Provenienzforschung zu den Hintergründen der Veräußerungen von Alltagsgegenständen in den Mittelpunkt der Recherchen.

Die erarbeiteten Forschungsergebnisse werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In der künftigen Dauerausstellung  im historischen Wilhelmspalais  werden sie mittels eines Führungsformats im Mediaguide präsentiert.

Über die Ergebnisse zur Geschichte der Sammlung im Nationalsozialismus wird regelmäßig auf unserer Website und auf dem Museumsblog berichtet.

In den 1998 beschlossenen Washingtoner Prinzipien verpflichteten sich die 44 unterzeichnenden Staaten ihre Museumsbestände nach im Nationalsozialismus entzogenem jüdischem Kulturgut zu überprüfen und anschließend mit den Erben faire und gerechte Lösungen zu finden. Ein Jahr später wurde in der Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände diese Absicht bestätigt. Auch das Stadtmuseum Stuttgart fühlt sich verpflichtet, seine Sammlungsgeschichte im Nationalsozialismus aufzuarbeiten und seine Objekte auf verfolgungsbedingten Entzug zu überprüfen.

Dokumente & Links

Ausdruck vom 19.08.2017
http://www.stadtmuseum-stuttgart.de/provenienzforschung.html