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Geschichte des Lapidariums

Bauherr der ursprünglichen Gartenanlage am Fuße der Karlshöhe war Karl von Ostertag-Siegle (1860 - 1924), Schwiegersohn von Gustav Siegle (1840 - 1905), einem der reichsten Männer seiner Zeit in Württemberg. 1905 beauftragte Karl von Ostertag-Siegle den Architekten Albrecht Eitel mit der Gestaltung der Gartenanlage seiner Villa in der Mörikestraße 24/1. Nach dem Vorbild italienischer Renaissancegärten des 17. und 18. Jahrhunderts wurde eine Wandelhalle angelegt und das Gelände terrassiert. Im Laubengang der Wandelhalle fanden 200 stadtrömische Antiken ihren Platz, die Karl von Ostertag-Siegle von einer Italienreise mitgebracht hatte. Mit dieser Anlage verwandelte er einen ehemaligen Weinberg zu einem der schönsten Privatgärten in Stuttgart. Die Villa ging bereits 1935 in städtischen Besitz über. 1950 verkauften die Erben Ostertag-Siegle auch den Garten an die Stadt Stuttgart.

Die Anfänge der Sammlung des Städtischen Lapidariums liegen ebenfalls am Beginn des 20. Jahrhunderts. Als um 1900 bei der Umgestaltung der Stuttgarter Altstadt und dem Neubau des Rathauses von 1905 viele Gebäude abgebrochen wurden, bewahrte man architektonisch und stadtgeschichtlich besonders wertvolle Bauteile und Zierelemente auf, die von künstlerischem Wert waren. Sie wurden im Kreuzgang des ehemaligen Dominikanerklosters an der Hospitalkirche im dazu neu eingerichteten Städtischen Lapidarium als Schausammlung aufgestellt. Im Zweiten Weltkrieg wurden der Kreuzgang bei Luftangriffen am 12. und 13. September 1944 zerstört und die meisten Ausstellungsstücke verschüttet.

Im August 1945 wurde im Einvernehmen mit der amerikanischen Besatzungsmacht die »Städtische Kommission zur Erhaltung von Kunstwerken und Baudenkmalen« eingerichtet. Ihren Vorsitz führte Prof. Gustav Wais, unterstützt von Oberbaurat Dr.-Ing. Wilhelm Speidel. Der Kommission gelang es, eine Vielzahl bau- und kunstgeschichtlich bedeutender Architekturteile, Plastiken und Inschriftentafeln des »alten Stuttgart« zu retten. Auch einzelne Stücke aus dem alten Lapidarium an der Hospitalkirche konnten geborgen werden. Diese Sammlung bildete den Grundstock für ein neues Lapidarium und fanden ihren Platz in der ehemaligen Gartenanlage der Familie Ostertag-Siegle an der Mörikestraße 24. Hier wurde das Städtische Lapidarium am 8. Juli 1950 eröffnet. »So entstand aus einer als Notunterkunft gedachten Anlage in Verbindung mit dem herrlichen Garten ein geradezu ideales Freilichtmuseum der Stadt...«, erklärte Gustav Wais anlässlich der feierlichen Eröffnung. 1952 wurde die Ausstellungsfläche durch die Einbeziehung des angrenzenden Geländes erweitert. Was der Oberbürgermeister Klett bei der Eröffnung sagte, hat auch heute noch seine Berechtigung: „Viele dieser Steine mögen dem oberflächlichen Betrachter auf den ersten Blick als von künstlerisch wie historisch nicht bedeutsamer Art erscheinen. Wer aber seine Heimat und ihre Geschichte liebt, wird sich mit innerer Anteilnahme in die Formen dieser Steine und ihren Gehalt versenken und daraus wertvollen Nutzen ziehen für Seele, Geist und Gemüt. Auch hier gilt das Dichterwort: »Was glänzt, ist für den Augenblick geboren, das Echte bleibt der Nachwelt unverloren. «

Nach Gustav Wais' Tod im Jahre 1961 fiel die Einrichtung zunächst in einen Dornröschenschlaf. Im Jahr 1999 wurde das Lapidarium Kulturdenkmal und rückte wieder in das Licht der Öffentlichkeit. Seither ist es in den Sommermonaten zwischen Mai und September regelmäßig geöffnet und seit 1997 findet zwischen Juni und August ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm unter freiem Himmel statt.

Ausdruck vom 31.03.2017
http://www.stadtmuseum-stuttgart.de/lapidarium-geschichte.html