• Duan Wasi übergibt sein Textbuch
  • Textbuch
  • Duan Wasi mit Textbuch, ca. 1997

Ein neues Highlight in unserer Sammlung: Das Textbuch von Duan Wasi!

Endlich ist es da: das Textbuch von Duan Wasi, Gründungsmitglied der Stuttgarter Hip-Hop-Band Massive Töne. Wir freuen uns sehr über dieses authentische Stück, das einen besonderen Platz in unserer Dauerausstellung finden wird!

Wasi nutzte es während seiner Zeit bei Massive Töne, notierte darin Strophen und Reime für neue Raps. Viele erscheinen im Album „Kopfnicker“ (1996), andere im Folgealbum „Überfall“ (1999), manche werden nie veröffentlicht. Herrlich, darin zu blättern! Ein gängiges DIN-A-4-Heft, kariert, vorder- und rückseitig beschrieben. Mal gut leserlich, mal ein Gekritzel, mal nur ein Wort, mal ein ganzer Song. Und plötzlich erschließt sich einem vor dem inneren Auge: Der Entstehungsprozess eines Raps.

Zugegeben, ich war nie wirklicher Hip-Hop-Fan, aber trotzdem ruft die Musik bei mir Jugenderinnerungen wach. Und ich werde nostalgisch. Zum einen sind da die Jugendhäuser, sozusagen die Wiege des Stuttgarter Hip-Hops. Auch ich war viel in Jugendhäusern unterwegs und denke gerne an diese Freiräume zurück: man traf sich, ungezwungen, war draußen und doch in einem geschützten Raum. Keiner hat einen bevormundet oder gestresst, jeder hat sein Ding gemacht, da waren die Breakdancer, die Sprayer, die politischen Aktivisten, die Bands und ihre Proberäume … und Hip-Hop schallte immer aus irgendeinem Raum.

Und natürlich war ich auch mal auf einem Fanta-Vier-Konzert, das muss Ende der 1990er gewesen sein, was allerdings eher in einem Fiasko endete. Schon beim ersten Song ging das Publikum so ab, dass ich – etwa einen Kopf kleiner als alle anderen – in der Menge eingequetscht wurde, keine Luft mehr bekam und auch noch einen Schuh verlor! Wild habe ich mit meinen Armen gefuchtelt, bis mir ein kleiner Gang geformt wurde und mich ein großer, starker Bodyguard auf Händen raustrug! Danach wurde es langweilig: Das gesamte Konzert verbrachte ich auf der Krankenstation auf einer Liege.

Aber zurück zum Textbuch. Es waren interessante Gespräche mit Wasi, über den Stuttgarter Hip-Hop, das Stadtmuseum Stuttgart, und überhaupt darüber, wie ein Objekt seinen Weg ins Museum findet. Gezeigt werden soll das Textbuch in unserer Ausstellungseinheit zum Stuttgarter Hip-Hop. Dort wird die Vielfalt der Stuttgarter Hip-Hop-Szene sichtbar: und zwar von der frühen Generation der 1990er-Jahre bis hin zur jüngsten mit ihrem wohl bekanntesten Vertreter Cro. Und was Wasi jahrelang mit sich rumgetragen hat und bestimmt nicht immer in aller Sorgfalt behandelt hat, wird nun in einer passgenau angefertigten Schublade präsentiert, licht- und staubgeschützt und mit Glas vor neugierigen Fingern gesichert. Sammeln, bewahren und zugänglich machen – eine der Kernaufgaben von uns Museumsmitarbeitern.

Manch einer mag sich fragen, wie es der Hip-Hop denn ins Museum „geschafft“ habe. Im Grunde ganz einfach: Er ist Teil der urbanen Kultur Stuttgarts und hat damit unbedingt einen Platz in unserem Haus. Als Stadtmuseum wollen wir das zeigen, was die Stadt ausmacht, prägt und antreibt – in Vergangenheit und Gegenwart. Der Stuttgarter Hip-Hop, seine frühe Entstehung und seine unterschiedlichen Künstler haben diese Stadt bis heute unbestritten bereichert.

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  1. Gratuliere! Freut mich riesig, dass es das gute Stück in die Sammlung geschafft hat. Ein richtiges Highlight in der Ausstellung.

  2. Pingback: Das Textbuch von Wasi (Massive Töne) kommt ins Stadtmuseum Stuttgart | 90erhiphop.de - The Golden Era

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