Baustellen und Stammheim

Begleitend zu Interviewreihe in der Stuttgarter Zeitung fragen wir uns hier: Wie waren die 1970er in Stuttgart? Auf jeden Fall politisch und baustellenlastig. Klett-Passage, U- und S-Bahn-Bau und wieder mal eine Bundesgartenschau (1977) waren die großen Baustellen der Stadt. An fast allen Stellen der Innenstadt war der Boden aufgerissen. Die Klett-Passage erhielt ihren Namen von dem 1974 verstorbenen Oberbürgermeister Arnulf Klett und die Stuttgarter mussten erstmals seit dem Krieg einen neuen OB wählen. Manfred Rommel, sein Nachfolger, regierte dann fast so lange wie Klett.

1977 wirbt Stutgart mit dem Ende der Baustellenzeit.

1977 wirbt Stuttgart mit dem Ende der Baustellenzeit.

1971 feiert man in Stuttgart das erste „Gastarbeiter-Festival“ auf dem Killesberg unter dem Motto: Zu Gast bei Gastarbeitern“. Es ist ein erster Versuch sich näher zu kommen. Es gibt Musik, Tanz und natürlich Essen.  Doch 1973 wird von der Bundesregierung der Anwerbestopp verordnet, es dürfen keine weiteren Gastarbeiter mehr angeworben werden. Wer jetzt in sein Heimatland zurückkehrt, kann nicht mehr einreisen. Aus diesem Grund holen viele Arbeiter und Arbeiterinnen ihre Familie nach Stuttgart. Die Stadt stellt fest, dass sie mehr Engagement zeigen muss, wenn sie das nicht zu einem Problem werden lassen will und stellt 1976 einen ersten Ausländerbericht zusammen. Hier werden die Ausländer nicht als Problem betrachtet, sondern es wird darüber nachgedacht, wie den Menschen geholfen werden kann, ihre Situation in Stuttgart zu verbessern. Bereits 1975 sagte Manfred Rommel: „De facto ist die Bundesrepublik ein Einwanderungsland.“

Selbstorganisiertes Kulturprogramm. Griechisches Schattentheater.

Selbstorganisiertes Kulturprogramm. Griechisches Schattentheater.

1974 ist Fußball-WM in Deutschland und die Stuttgarter feiern Argentinische Nächte auf dem Schillerplatz, wo sie lernen, dass man abends und nachts auch draußen sitzen und feiern kann. Public viewing gibt es noch nicht, maximal beim Fernsehhändler im Schaufenster. 1975 steigt der VfB in die zweite Liga ab und 1977 wieder auf, trainiert von Sundermann, dem Wundermann. Bereits 1973 findet in Stuttgart das deutsche Turnfest statt. Zuletzt hatte man das hier 1933 gefeiert und war damals zur Bühne einer der ersten großen Propaganda-Verantaltungen des NS-Regimes geworden.

Turni machte Werbung für das Turnfest 1973 in Stuttgart

Turni machte Werbung für das Turnfest 1973 in Stuttgart

Claus Peymann ist von 1974 bis 1979 Intendant am Stuttgarter Schauspiel. Er macht Schlagzeilen als er für eine Zahnoperation für die inhaftierte RAF-Terroristin Gudrun Ensslin sammelt. Der Ministerpräsident Hans Filbinger greift ihn deswegen an, muss aber selbst 1978 seinen Hut nehmen, da er als Marinerichter in der NS-Diktatur Todesurteile unterzeichnet hatte. 1977 ist Deutscher Herbst. Die RAF entführt Hanns Martin Schleyer. Stuttgart rückt für mehrere Tage in den Mittelpunkt deutscher Geschichte. In Stammheim sitzen die RAF-Terroristen, die freigepresst werden sollen. Am Ende ist Schleyer tot und 3 Terroristen. Alle werden in Stuttgart beigesetzt, da Manfred Rommel mit seiner Aussage „Mit dem Tod hört jede Feindschaft auf“ die Beisetzung der Terroristen Baader, Raspe und Ensslin ermöglicht.

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stadtmuseum@stuttgart.de

0711 – 21696792

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