Vermitteln, Medien, etc. – eine Debatte.

Ich wurde gefragt, also antworte ich….

Wie ist das denn nun bei uns mit der Vermittlung?

Schließlich sind wir ja in Planung und damit am besten Punkt, um die Vermittlung gleich einzubinden. Das tun wir auch. Ich habe zwar das Gefühl, dass die Kuratoren (ich sage so ungern Wissenschaftler, weil es immer so klingt als wären die anderen keine Wissenschaftler) bei uns schon sehr an die Besucher denken, trotzdem ist unsere Museumspädagogin bei allen Konzeptionstreffen dabei und ärgert uns! Und das ist auch gut so. Wir sind halt immer wieder Freaks des besserwissenden Details und das hilft später in der Ausstellung niemand, außer dass man bei den Fachkollegen Eindruck schafft.

Unser Team, das verantwortlich das Museum konzipiert, sieht so aus: Chefin, Ausstellungsleiter, Sammlungsleiterin, Museumspädagogin, PR-Leiterin. Alle können hier gleichberechtigt sprechen. Ab 2018 haben wir (hoffentlich) dann noch einen Community Manager. Es wird also nicht im Nachklapp ein Programm entwickelt, sondern die Ausstellung selbst muss schon so konzipiert sein, dass sie vermittelte.
Das kann auch dazu führen, dass Themen rausfliegen, weil sie eben nicht vermittelbar sind, zumindest im Rahmen einer Ausstellung, weil sie zu viel Wissen voraussetzen oder die Ausstellung dadurch nur noch „schwere Kost“ ist und das „Leichte“ fehlt. Das heißt nicht, dass wir uns um unliebsame Themen drücken, sondern dass manche Kuratoren-Orchidee beschnitten wird.
Der wichtigste Lehrsatz meines Volontariats war ein Ausspruch von Oskar von Miller:

In der Ausstellung muss niemand sehen wie intelligent der Kurator ist.

Das ist jetzt sicherlich nicht eins zu eins wiedergegeben, aber der Inhalt ist klar.

Zu den Medien.
Vor der Zusammenarbeit mit den Gestaltern gab es ein Medienkonzept. Welche Medien wollen wir wo und welche Aufgabe haben sie? Das waren die ersten Fragen dazu mit denen wir angefangen haben darüber nachzudenken. Das erste Konzept war sehr radikal und verbannte alle Monitore aus der Ausstellung. Alle digitalen Inhalte sollten lediglich über das Smartphone abrufbar sein. Entsprechen haben wir eine WLan Ausleuchtung in allen öffentlichen Bereichen und sehr viel Platz für Server im Gebäude. Inzwischen ist das ganze etwas aufgeweicht und die Medien haben auch ein bißchen Einzug in die Ausstellung erhalten, aber wirklich sehr eingedämmt. Trotzdem gilt der Grundsatz: wer ohne Smartphone ins Museum kommt, muss ein vollwertiges Museumserlebnis haben und die wesentlichen Informationen dürfen ihm nicht entgehen. Für uns müssen die digitalen Medien immer eine Verbindung zur realen Welt haben, sonst sind sie Schmuckwerk. Und sie müssen ihre Besonderheit ausspielen. Über sie muss das gemacht werden, was nur über sie geht.

Dabei geht es nicht darum state of the art zu werden, sondern der gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung tragen, dass das Gerät für viele inzwischen Hauptinformationsquelle Nummer 1 ist.

Diese Gewohnheit braucht man bei uns in der Ausstellung nicht ablegen.

Nachtrag. (2 Ergänzungen):

Wenn ich eine Ausstellung nur mit einem Vermittlungsprogramm verstehe, dann habe ich etwas falsch gemacht.

Wie schaffe ich Zugänge in der Ausstellung, der Menschen mit unterschiedlicher Vorkenntnis dazu einlädt sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ist es immer geschriebener Text? Oder vielleicht doch eher ein Hörspiel? Baue ich Zugänge wie Biographien einzelner Personen zentral in die Ausstellung ein, um eine größere Nähe zu schaffen? Solche Dinge probieren wir. Interesse wecken durch das Ansprechen verschiedener Sinne und Formate. Nähe schaffen durch Bezüge zur eigenen Biographie. Das hilft beim Vermitteln. Wobei ich hier wiederum den Begriff nicht so mag. Wir wollen Denkanstöße geben. Ein Ideal wäre für uns, dass Objekttexte wie Blogbeiträge sind, die die Besucher kommentieren können. Wir wollen auch im Museum nicht nur Sender sein und vermitteln, sondern auch Empfänger werden.

Damit bin ich auch bei der Frage nach Smartphones. Das Smartphone ist das eigene von zuhause. Im Museum gibt es eine App dafür, auf die Videos, Fotos u.ä. in der Ausstellung gestreamt werden. Aus der Ausstellung heraus sollen die sozialen Medien genutzt werden. Sich mitteilen, was man gesehen hat, was man darüber denkt, oder eben unsere Texte kommentieren. Klingt nach Aufwand! Wird es sein und ich hoffe, dass wir es umsetzen können. In der Stadt soll der Nutzer an Geschichte und Geschichten aus dem Stadtmusuem erinnert werden. Oder sein Lieblingsgeschichten aus dem Museum mitnehmen und an die Orte geführt werden, die damit verbunden sind.
Freue mich über Anregungen und Meinungen.#

Mehr zum Thema Vermittlung bei Tanja Praske.

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  1. Lieber Markus,
    das liest sich super! Genau die richtige Haltung. Denn auf die kommt es an, wenn es um neue Konzepte geht. Das Umsetzen ist sicher ein anstrengender Weg. Und man darf auch revidieren. Finde das super, wenn ihr nicht mit Tunnelblick irgend eine Strategie durchpaukt. Sondern immer wieder anpasst. Denn das Leben und der Alltag stellt einen manchmal vor andere Herausforderungen.
    Euer Haus ist mir auf jeden Fall jetzt schon ans Herz gewachsen und ich werde euch gerne besuchen, wenn es soweit ist! Bis dahin freue ich mich über eure Berichte von hinter den Kulissen.
    Herzliche Grüße von Anke

    • Liebe Anke,

      Danke für die aufmunternden Worte. Schön zu hölren, dass wir bereits vor der Eröffnung Fans haben. Ich bin selber gespannt, was wir alles von dem einhalten können was wir uns vorgenommen haben. Im Moment sind wir aber auf einem guten Weg. Ein ständiges nachjustieren und überprüfen tut immer gut, da man sonst zu leicht in den alten Trott verfällt. Und das wollen wir tatsächlich nicht. Wenn ich es schaffe, werde ich in Zukunft immer mal wieder versuchen auch solche Blick in unsere Arbeit über das Blog zu ermöglichen. Schön wäre wenn sich dann eine Diskussion entfacht.

      Herzliche Grüße

      Markus

  2. Pingback: Kunstvermittlung: schuldig pro Banalisierung der Kunst? #Lesetipp

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