Das Dingens mit dem Internet

Anfang der Woche fand zum fünfzehntenmal die MAI-Tagung statt. MAI steht für Museums and Internet. Und zum ersten Mal war das Stadtmuseum Stuttgart dabei. Für alle die dort waren ist das ein Kommentar zur Tagung, für alle StuttgarterInnen ist dies ein Bericht darüber, was das Team hier eigentlich so treibt.

Die Tagung lädt dazu ein über Museen und Internet nachzudenken, bzw. stellt Projekte vor, die an verschiedenen Museen umgestzt wurden bzw. inzwischen gibt es nicht mehr nur Projekte, sondern ganze Strategien. Doch wo fängt man an? Zwei Tage volles Programm lassen sich fast nicht in wenigen Worten zusammenfassen. Es gab sieben Blocks: Indoor-Apps, den Außenraum erschließen, digitales Kuratieren, Museumspädagogik 2.0, digitales Kuratieren und Dokumentieren, Marketing-Online und Partizipation und Social Media waren die Überschriften. Ich möchte hier gar nicht die verschieden Präsentationen wiedergeben, sondern mich auf die wenigen Vorträge beschränken, die mich und meine Arbeit beeinflussen werden.

Ein erstes gutes Beispiel für die Verbindung von realer Welt und dem Digitalen war die RadtourApp „Art  & Cycle“ von der Stiftung Museum Schloß Moyland. Eine Ausstellung zu Landschaftsmalern wurde mit dieser App begleitet, die einen zu den Orten führte an denen die Bilder entstanden sind. Vor Ort angekommen konnte man Gemälde und heutige Realität vergleichen. Solche Kombinationen gibt es zwar häufig, aber hier hatte ich das Gefühl, dass es wirklich Spaß machen muss sich auf den Weg zu machen und Perspektiven zu finden.

Für das zweite Beispiel hänge ich die Latte deutlich höher. Eine Präsentation des RijksStudios des Rijksmuseums in Amsterdam. Dieses Museum ist dabei seine komplette Sammlung hochauflösend online zur Verfügung zu stellen. Jeder kann sich die Bilder herunterladen und damit selbst kreativ werden. Das Museum fördert und unterstützt das in dem es jedes Jahr einen Award vergibt für das beste Objekt, das auf der Sammlung des Museums beruht. 2015 war dies ein Armreif auf Papier auf dem Hände von Rembrandts Werken zu sehen sind. Außerdem wird sehr eng mit etsy (das amerikanische Dawanda) zusammengearbeitet. In 30 Monaten wurden 200.000 Profile angelegt, es gab mehr als 1,1 Mio. Downloads und 270.000 digitale Sammlungen wurden angelegt. Wow!

Dem ganzen liegt eine Strategie zu Grunde, die auf den Begriffen Simplicity, Image, Touching und Make beruht.

Das ist in Europa waohl zur Zeit das Nonplusultra was den Umgang mit dem Digitalen angeht. Die Aussage war, es ist mit unserer Sammlung wie mit den Louis Vutton Handtaschen. Jeder kann sich eine Kopie kaufen, aber eigentlich möchte man das Original haben. Für mich war entscheidend der offene Zugang zur Sammlung, die Transparenz und das Verständnis, dass es die Sammlung der Bürger ist und nicht die Sammlung des Museums. Und dieser Gedanke wird bis ins Letzte durchgehalten. Das kann nur Vorbild sein!

Der dritte Beitrag, gehalten von Christian Hennerfehr, der für mich wichtig war handelte vom digitalen Erlebnisraum und drehte sich um die Frage, was kann ein Museum durch digitale Medien an zusätzlichem Inhalt bieten, den es sonst nicht zur Verfügung stellen könnte. Das beginnt schon bei der Frage App oder lediglich Website. Wie groß ist die Chance, dass eine Museums-App überhaupt genutzt wird? Und was muss sie alles können, damit sie genutzt wird? Es ist wohl auch leider hier zu oft das Dilemma, dass man sich für eine App entscheidet und versucht die Bedürfnisse der Zielgruppen darin unterzubringen. Besser wäre es seine Zielgruppen zu analysieren und zu schauen ob diese eine App wollen und erst dann eine App umzusetzen. Generell (das zog sich durch die ganze Tagung) bekommen die Museen Geld, um sich eine App bauen zu lassen aber kein Geld um sie zu bewerben. Daher versinken sie oft in der Bedeutunglosigkeit. Eine Evaluation der App findet fast nie statt.

Das sollten nur drei Beispiele sein, um zu zeigen was es alles gab und was mich besonders beeindruckt hat. Klar, es gab die Vorstellungen von Spielen für die Ausstellungen, Rundgänge, blogs, etc. Bei der Tagung selbst wurde unter dem Hashtag #maitagung wie wild getwittert (hier die Zusammenfassunge des ersten Tages) und natürlich genetzwerkt.

Was ich mit nach Hause nahm, war das dringende Bedürfnis intensiv an einer digitalen Strategie zu arbeiten, um unsere Kompetenz und Leitlinien über den social media Bereich hinaus zu erweitern. Nur so kann man meiner Meinung nach diesem weiten Feld begegnen und die richtigen Wege für das Stadtmuseum Stuttgart finden. Hier ist allerdings auch noch einige anb Pionierarbeit zu tun. Da auf der Tagung insgesamt nur ein Papier innerhalb des deutschsprachigen Raumes bekannt war. Dies ist vom Historischen Museum Basel (und auf englisch).

Wir werden also hier an den Fragen arbeiten, dass unser Mediaguide eine App sein soll, die sich der Besucher auf seinem Smartphone installiert. Sollen Ausstellungstexte auf dem Guide so sein wie Blogbeiträge, die die Besucher kommentieren können? Wie funktioniert der Mediguide außerhalb des Museums? Verbindet er die Geschichten im Museum mit dem öffentlichen Raum da draußen? Kann ich mir in der Stadt Geschichte, Bilder, Objektfotos zu einem bestimmten Ort zeigen lassen? Gibt es virtuelle Stadtführungen von Stuttgarten für Stuttgarter? Genau darüber denken wir nach und die Mai-Tagung hat uns viel Denkfutter gebracht. Wir haben die Vorkehrungen getroffen, dass das gesamte Museum WLan für die Besucher enthält und wir haben große Serverräume in denen der Inhalt für den Guide bereitgehalten werden.

Weitere Zusammenfassungen gibt es hier:

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  1. Pingback: Alles neu macht die MAI? « Blog des Historischen Museums Frankfurt
  2. Pingback: wir sind jetzt mal bei “wünsch dir was!” | blog Stadtmuseum Stuttgart
  3. „[..] es ist mit unserer Sammlung wie mit den Louis Vutton Handtaschen […]“

    Sehr treffender Vergleich! Die meisten Leute interessieren sich genauso wenig für Museumssammlungen wie für Louis Vuitton Handtaschen. Leider.

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