Akteure gesucht!

Es ist ein einfacher Satz in unserem Leitbild:

„Das Stadtmuseum stellt die Menschen – als Besucher ebenso wie als Akteure in Vergangenheit und Gegenwart – in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Die Lebenserfahrungen von Stuttgarterinnen und Stuttgartern und ihre vielfältigen Geschichten stehen im Zentrum des Museums. „

Doch dieser macht uns richtig Arbeit. Warum? Wer sind denn diese Akteure? Und wie stelle ich sie angemessen in der Ausstellung dar? Schnell fallen die Namen der üblichen Verdächtigen: Gottlieb Daimler, Robert Bosch, Eduard Pfeiffer oder Arnulf Klett. Und, hoppla, das sind ja alles Männer und alle haben „große“ Geschichte geschrieben. Das ist aber nicht wirklich das, was wir wollen und suchen. Sicher sind deren Lebensgeschichten spannend, auch voll mit Brüchen und Veränderungen, trotzdem sind sie den meisten von uns und unserem Alltag sehr fremd und sie stehen auch nicht für das Leben der meisten Menschen in dieser Stadt und schließlich haben sie das, was sie getan haben, auch nicht alleine geschafft, sondern es waren immer noch Andere beteiligt. Wir haben uns also von einer „hall of fame“ verabschiedet. Aber wer dann? Diese Akteure sollen uns etwas über ihre Zeit erzählen können, die Besucher sollen dadurch der Vergangenheit näher kommen.

Sie sollen auch mal etwas getan haben, das vielleicht für Aufsehen gesorgt hat, wenn auch nur im Kleinen.Ihre Geschichten sollen etwas über die „große“ Geschichte erzählen.

Ihre Handlungen sollen die großen Veränderungen verständlich machen und zeigen, dass eine Stadt davon lebt und angetrieben wird in dem neue Wege gegangen werden, Eingefahrenes verändert wird und jeder in der Stadt dazu etwas beitragen kann.

Wir haben uns also auf die Suche nach solchen Akteuren für die letzten 200 Jahre in Stuttgart gemacht.

Unbekannte, die zwischen Archivdeckeln schlafen, die in Zeitungsartikeln lebendig geblieben sind oder deren Nachruf uns heute noch erreicht. In vielen Recherchen haben wir sie gefunden und es waren mehr als wir dachten. Manche sind bekannter, von anderen hat schon lange niemand mehr etwas gehört. Es kam sogar soweit, dass es zu viele waren. Wir standen vor der Qual der Wahl. Wie entscheidet man, dass ein Akteur in die Ausstellung kommt und ein anderer nicht? Wie es halt auch im richtigen Leben ist: ein Bewerbungsverfahren. Jeder Akteur/jede Akteurin musste sich um seinen/ihren Job in der Ausstellung bewerben. Wir haben an alle Kollegen vorher ein einheitliches Bewerbungsformular ausgegeben (s. Foto) und dieses musste mit den entsprechenden Informationen gefüllt werden. Neben einem Foto gehörten dazu auch die biographischen Eckdaten und ein Motivationsschreiben. Ehrlich gesagt, etwas ungewöhnlich, aber dafür hat es allen riesigen Spaß gemacht ihrem Akteur Leben einzuhauchen und sich für ihn und seine Stelle in der Dauerausstellung einzusetzen.

Der Bekanntheitsgard spielte plötzlich keine Rolle mehr, sondern die Frage, wer kann uns durch sein Leben mehr über diese Zeit erzählen?

An zwei langen Sitzungstagen haben wir die Akteure für das 19. Jahrhundert ausgewählt. Es sind:

  • Panagiot Wergo
  • Luise Duttenhofer
  • G.H. Kohl
  • Beate Calwer
  • Gustav Adolf Breymann
  • Charlotte Reihlen
  • Ludwig Leuze
  • Giovanni Pighi
  • J.H.W. Dietz
  • Henriette Arendt
  • Leontine Hagmaier

Kennt Ihr jemanden? Und wenn ja, woher? Beziehungsweise was wisst Ihr über diese Person? Aber keine Sorge, in einer Ausstellung zur Stuttgarter Stadtgeschichte wird es auch einen Gottlieb Daimler, Robert Bosch, Eduard Pfeiffer und Arnulf Klett geben. Sie werden nur eine andere Rolle spielen.

Was wird von den Akteuren zu sehen sein?

Wenn wir es haben, dann zeigen wir ein Portrait. Das wird nicht bei allen möglich sein, weil sie vor der Erfindung der Fotografie gelebt haben, sie nicht genug Geld für einen Maler hatten und weil wir sie beispielsweise nur aus Prozessakten kennen.

In der Ausstellung wird über diesen Moment in ihrem Leben erzählt, in dem sie etwas bewegt haben, in dem sie zu Akteuren wurden. Ob sie erfolgreich waren oder nicht, das ist ganz unterschiedlich und unerheblich.

Das ist der Kern um den es geht. Menschen, die in Stuttgart gelebt haben und zu einem gewissen Zeitpunkt zu Handelnden wurden. Dieses Handeln lässt uns die Vergangenheit näher kommen. Und wer mehr wissen will, kann sich per Audioguide ihre gesamte Lebensgeschichte anhören, bzw. so viel wie wir halt über sie wissen. Dass kann ganz unterschiedlich sein: über einzelne Akteure wurden schon mehrere Bücher verfasst, bei anderen finden sich nur wenige Seiten Papier in einem Aktenbüschel. Gemeinsam werden sie alle eins haben: ein Zitat von ihnen oder über sie, soll das Interesse wecken. Denn mal ehrlich, wer will nicht mehr über jemanden wissen, wenn er folgende Zitate liest:

Da war die Weibsperson nun eine der Ärgsten mit Schreien und Lärmen.

oder:

Ich selbst denke, dass ich trotz meiner guten Taten die Hölle verdient hätte.

Von wem diese Zitate sind, verrrate ich hier noch nicht. Vermutungen dürfen gerne ausgeprochen werden.

Wanted!

Wie wir bereits auf Twitter angedeutet hatten, suchen wir noch eine Akteurin für das späte 19. Jahrhundert. Ein Fabrikarbeiterin, die zu dieser Zeit in Stuttgart lebte und sich ihren Lebensunterhalt in einer Fabrik verdiente. Wer eine Oma, Uroma, oder Ururoma hatte, auf die diese Beschreibung zutrifft, der oder die melde sich bitte bei uns. Wenn sie zu uns passt, dann findet sie ihren Weg in die Dauerausstellung und damit auch in die Stadtgeschichte Stuttgarts! Wir freuen uns von Euch zu hören!

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