• Die Zeitkapsel aus dem Grundstein des Invalidenhauses ist aus Glas und war mit Weizen gefüllt.
  • Der Weizen im Einmachglkas befand sich ursprünglich in der Karaffe und war zur Zeit der Grundsteinlegung ein wertvolles Gut.
  • Diese Kuperröhren befanden sich in der Turmspitze des Rathauses von 1905. Sie waren die Zeitkapsel, die 1954 geborgen wurde.
  • In unserer Sammlung werden die Kapseln von diesem Zettel begleitet. "2 Kupferkugeln, die im Turmknauf des 1905 eingeweihten Rathauses am 2. April 1904 eingelötet und bei der Abnahme des Turmknaufs am 25. Juni 1954 nach dessen Entlötung aus ihm entnommen wurden."

Grundstein, Zeitkapsel was soll das?

Nun ist es dann soweit. Der Grundstein für das Stadtmuseum wird gelegt. Am 4.11. um 14 Uhr geht es los. So eine Grundsteinlegung ist irgendwie das Startsignal für einen Bau – auch bei uns – obwohl das Wilhelmspalais schon seit so langer Zeit eine Baustelle ist. Aber warum legt man überhaupt einen Grundstein und was befindet sich traditionell in diesem? Die Frage des warums ist gar nicht so einfach zu beantworten. Symbolisch betrachtet ist  der Grundstein etwas auf dem sich, wie der Name schon sagt, das Haus gründet. Also so etwas wie seine Wurzeln, also der Geist oder das Selbstverständnis in dem das Haus und seine Nutzung betrachtet wird. Es ist die Botschaft, die die Erbauer dem Gebäude für die Zukunft mitgeben wollen. Entsprechend wird der Grundstein oft mit einer Zeitkapsel gefüllt, also Zeugnissen aus dem Jahr der Erbauung, die späteren Generationen einen Einblick in die Zeit geben und eine verlässliche Quelle für das Datum des Baubeginns sind.

Bei Abbrucharbeiten findet man entsprechend häufig Grundsteine, bzw. Zeitkapseln. Auch in unseren Sammlungen finden sich Stücke. Eine Zeitkapsel stammt aus dem Invalidenhaus, das später als Königliche Öffentliche Bibliothek (heute: Landesbibliothek) genutzt wird und aus dem Jahr 1807 stammt. Das Gebäude wurde 1886 abgetragen und an anderer Stelle aufgebaut. Die andere Zeitkapsel gehört zum Rathausbau von 1905 und wurde 1954 geborgen.

Die Zeitkapsel des Invalidenhauses ist ein Gefäß aus Glas, versehen mit einem Stopfen in dem die Jahreszahl 1807 eingraviert ist und die Worte: „Nicolaus Thouret. Derzeit Hofbaumeister“. Gefüllt war die Zeitkapsel mit Weizen aus dem Jahr 1807. Der Anfang des 19. Jahrhunderts war geprägt von Hungersnöten, und damit stellt der Weizen eine sehr wertvolle Füllung dar und sagt uns, dass ausreichend Nahrung keine Selbstverständlichkeit war.

Die Zeitkapseln aus dem Rathaus (es sind tatsächlich zwei) sind aus Kupfer gefertigt und waren mit Schriftstücken gefüllt. Die erste Kapsel enthielt Gemeinderatsprotokolle aus dem Jahr 1898, in denen der Beschluss zum Bau des neuen Rathauses gefasst wurde und eine Auflistung zur personellen Zusammensetzung des Gemeinderats und des Bürgerausschusses. Die zweite Kapsel beinhaltete Stuttgarter Zeitungen vom 2. April 1904. Diese Zeitkapseln befanden sich nicht im Grundstein, sondern in der Turmkugel, also an der Spitze des Rathausturmes, was ein anderer beliebter Ort für Zeitkapseln ist. Sie wurden gefunden als man 1954 diesen Knauf vom zerstörten Rathaus abnahm. Die Setzung der Turmkugel, auch Knaufsetzung genannt, wurde am 2. April 1904 in größerem Rahmen begangen. Besonderes Schmankerl im Inhalt der Zeitkapsel ist ein Dokument folgenden Inhalts:

Die Unterzeichneten wünschen dass wenn diese Kapseln geöffnet werden eine freigebigere Stadtverwaltung an der Spitze steht denn jetzt, bei welcher es nötig war den nötigen Wein etc. durch private Stiftungen zusammen zu bekommen. Dass die Polizei jedoch auf der Höhe ist beweisen beiliegende 3 Strafverfügungen, zu deren Anfertigung die Schutzleute nur Laternen, das Gerüst ersteigen mussten. Die Unterzeichneten wünschen dass die Öffner dieses einen gleich gesunden Durst und Fröhlichkeit entwickeln als wie die bei der Einbringung Anwesenden.

Unterschrieben war dies vom Architekten, dem Bauführer und weiteren Bauleuten.

Kommen wir zu unserem eigenen Grundstein. Wir haben uns mit dem Projekt #stgt2014 entschlossen auch ein Signal zu geben und wollen damit dem Museum einen Geist geben, den es hoffentlich lange beibehält. Dadurch, dass wir alle Stuttgarter aufgerufen haben uns ihr Stuttgart im Jahr 2014 zu zeigen, wollten wir späteren Generationen nicht nur eine möglichst vielfältige Momentaufnahme des heutigen Stuttgarts geben, sondern auch zeigen, dass es uns darum geht die Bürger dieser Stadt einzubinden und allen ein Verständnis geben, dass es sich um ihr Museum handelt und dass uns, den Museumsmachern, all diese verschiedenen Blickwinkel auf diese Stadt wichtig sind. Denn nur so kann in unserem Verständnis ein Stadtmuseum des 21. Jahrhunderts gemacht werden.

 

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