• Die schalldichte Telefonzelle aus dem Stuttgarter Rathaus
  • Ein Blick in die Zelle. Das Telefon fehlt leider.

#dailyvanish – Dinge, die aus unserem Alltag verschwinden

Angeregt durch die Blogparade „Dinge, die aus unserem Alltag verschwinden“ hier ein Beitrag zu einer Telefonzelle, die sich in unserer Sammlung befindet.

Unsere Kommunikation veränderte sich rasend schnell in den letzten Jahren. Wir sind ständig überall erreichbar und können von überall alle möglichen Leute erreichen. Telefonzellen sind kaum mehr irgendwo anzutreffen. Erst recht so spezielle Zellen wie diese aus dem Stutgarter Rathaus.

Vom Aussehen her erinnert sie eher an eine Druckkabine in U-Booten, als an die liebgewonnen Häuschen am Straßenrand. Das Geheimnis der Zelle ist, dass sie sehr gut schallisoliert ist. Das war nötig, denn sie diente den Gemeinderäten vor dem Sitzungssaal dazu während laufender Sitzungen ihre Büros anrufen zu können. So konnten sie sich weitere Informationen zukommen lassen, Rücksprachen halten oder zuhause Bescheid geben, dass die Sitzung mal wieder länger dauert. Außerhalb von Sitzungszeiten waren sie abgeschlossen und konnten nicht verwendet werden. In Zeiten von SMS und Mail auf den Smartphones ist das absolut nicht mehr notwendig. Dass die Zelle allein durch die dicke Isolierung als abhörsicher galt, brauche ich heute nicht weiter kommentieren. Aber was verschwand mit den Telefonzellen?

  • Akten müssen den Mandatsträgern nicht mehr hinterhergetragen werden, sondern landen per Mail auf dem Handy
  • wer Unterlagen vergessen hatte und sie nachbestellte, musste unter Umständen eine Weile warten bis er den selben Informationsstand hatte wie die anderen
  • wenn die Telefonzellen verschlossen waren, konnten während den Sitzungen keine Informationen an die Presse geraten

Das galt für die Telefonzellen im Rathaus. Ganz allgemein gilt zu sagen:

  • Öffentliche Telefonsprecher haben kaum mehr eine Zelle
  • Wir sind es gewöhnt in Gegenwart anderer, wildfremder Menschen zu telefonieren. Früher war das intimer. Die erste Gespräche mit der Freundin führte ich standesgemäß in einer Telefonzelle und nicht zuhause, wo es meine Eltern hätten hören können.
  • Ein klassisches Fotomotiv fehlt: soviele Menschen wie möglich in eine Telefonzelle zu quetschen.
  • Man hatte immer ausreichend Kleingeld in der Tasche, wenn man es nicht brauchte.
  • Man hatte nie ausreichend Kleingeld in der Tasche, wenn man es brauchte.

Die Telefonzellen kamen mit dem Bau 1956 ins Rathaus und wurden bei der Sanierung 2000/2001 ausgebaut. Diese gezeigte Zelle kam in unsere Sammlung (die Bilder zeigen übrigens den Zustand vor der Restaurierung) und wir sind uns noch unschlüssig, ob und wie wir sie in unserer Ausstellung verwenden werden. Vielleicht hat ja jemand von Euch eine weitere Idee?!

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