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  • 60 Jahre Fernsehturm Stuttgart

    Am 5. Februar 2016 feiert der Stuttgarter Fernsehturm seinen 60. Geburtstag! Und natürlich gratuliert auch das Stadtmuseum Stuttgart. Nach fast drei Jahren Schließung kann das Geburtstagskind seine Gratulanten in luftiger Höhe empfangen, die Wiedereröffnung für alle findet am 30. Januar 2016 statt.

    Ein guter Anlass, diesem Wahrzeichen der Stadt ein paar rückblickende Gedanken zu widmen, auch wenn er gar nicht der Stadt Stuttgart gehört, sondern dem SWR, wie dort immer wieder gerne betont wird.

    Weihnachten 1952 begann der regelmäßige Sendebetrieb des deutschen Fernsehens. Allerdings war der Empfang in Stuttgart gar nicht so einfach, denn der nächste Sendemast befand sich ungefähr 120 km entfernt und der Talkessel erschwerte die Situation zusätzlich. Deshalb beantragte der Süddeutsche Rundfunk (SDR) schon am 5. Januar 1953, einen 200m hohen, mit Stahlseilen gesicherten Gitterturm auf dem Hohen Bopser aufstellen dürfen. Grund dafür war die anstehende Übertragung der Fußball-WM 1954, an der Deutschland erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder teilnehmen durfte. Und bei diesem wichtigen Ereignis sollte es natürlich zu keinen Empfangsproblemen kommen!

    Der Bauingenieur Fritz Leonhardt, eigentlich ein Brückenbauer, erfuhr von den Plänen und war wenig begeistert. Es gibt die Anekdote, dass er den geplanten Gitterturm von seinem Wohnzimmer aus gesehen hätte und deshalb einen Gegenentwurf machte. Sicher ist, dass Fritz Leonhardt mehrere Skizzen für einen Turm ohne Abspannungen machte, der als Besonderheit eine Aussichtplattform mit Café bieten sollte. Ende Mai 1953 setzte er sich mit Helmut Rupp, dem Technischen Leiter des SDR in Verbindung. Wenige Tage später mit dem Stuttgarter Oberbürgermeister Arnulf Klett, um ihn für eine finanzielle Beteiligung an den Baukosten zu gewinnen. Im Laufe der Gespräche wurde der Turmkorb immer größer, um neben dem Café auch noch ein Restaurant, die Küche und eine eigene Etage für den Sendebetrieb fassen zu können. Als die Planungen im Juni 1953 bekannt wurden, gab es aber vor allem Bedenken: Der Gemeinderat befürchtete ein finanzielles Fiasko und die Heimatschützer eine Störung des Landschaftsbildes. Und eine Frage die alle beschäftigte: Steht ein solcher Turm überhaupt sicher? Nachdem eine Beteiligung der Stadt am Bauvorhaben nicht in Sicht war, beschloss der Verwaltungsrat des SDR am 2. Mai 1954 den Bau selbst zu finanzieren. Die Stadt stellte dann doch das Grundstück in Erbpacht zur Verfügung und baute die Erschließungsstraßen. Ab dem Beschluss des SDR ging alles sehr schnell: am 13. Mai 1954 lag der endgültige Entwurf vor, am 9. Juni 1954 die vorläufige Baugenehmigung und schon am nächsten Tag erfolgte der Spatenstich. Ein nasser Sommer und ein sehr kalter Winter verzögerten die Betonarbeiten, die bei Frost ausgesetzt werden mussten. So konnte erst Mitte März 1955 mit dem Turmkorb begonnen werden. Am 23. August 1955 feierte man das Richtfest, nachdem das letzte Stück der Antenne montiert war. Bereits am 29. Oktober 1955 startete der Sendebetrieb, während man parallel dazu das Restaurant ausbaute. Die Eröffnung des Fernsehturmes am 5. Februar 1956 wurde zu einem großen Ereignis und die Besucherzahlen haben schnell die kühnsten Erwartungen übertroffen, im ersten Jahr hatten gut 875.000 Besucher die Aussicht vom Stuttgarter Fernsehturm genossen. Damit war das finanzielle Risiko vergessen und der Turm hatte seine Baukosten in zehn Jahren erwirtschaftet.

    Schon vor seiner Eröffnung war klar, dass hier ein neues Wahrzeichen geschaffen worden war. Im Juni 1955 malte sich ein Redakteur der Stuttgarter Nachrichten bereits aus, wo im Sommer 1956 romantische Begegnungen stattfinden würden: „Erlauben Sie: Wie wäre es mit einer Tasse Höhenkaffee?“. Auch das Fremdenverkehrsamt richtete schon 1955 seine Werbung auf den Fernsehturm aus. Und tatsächlich wurde der Fernsehturm mit seinem Restaurant schon bald zum Ziel internationaler Gäste, was man mit der englisch/französischen Speisekarte aus der Zeit gut belegen kann. Der berühmteste Besuch fand 1965 statt, als Queen Elizabeth während ihres Stuttgart-Aufenthaltes sich in luftiger Höhe in das Goldene Buch der Stadt eintrug.

    Die Beliebtheit des Turmes hat zu einer Vielzahl an Souvenirs geführt, die nicht immer dieselbe Eleganz wie der Turm haben. Aber dieses Schicksal teilt er mit manch anderer Sehenswürdigkeit.

    Seit 1986 steht der Fernsehturm als Denkmal unter Schutz, nachdem er bereits 1959 den frisch ausgelobten Paul-Bonatz-Architekturpreis gewonnen hatte. Ganz nebenbei muss noch erwähnt werden, dass der Stuttgarter Fernsehturm der allererste seiner Art weltweit ist und dass er unzählige jüngere Geschwister hat – viele auch von Fritz Leonhardt entworfen.

    Selbstverständlich wird der Fernsehturm auch in der künftigen Dauerausstellung des Stadtmuseums Stuttgart eine zentrale Rolle spielen, weshalb wir schon einige Objekte rund um den Fernsehturm in unserer Sammlung haben – aber es dürften gerne noch ein paar mehr werden.

    Zum 60. Geburtstag des Fernsehturms sammeln wir auch online unter #FernsehturmStuttgart60 Bilder aus 60 Jahren Fernsehturm-Geschichte. Also ran an alte Fotoalben - wir freuen uns über Eure Ansichten des Stuttgarter Wahrzeichens im Wandel der Zeit!

  • Mann vor einem Opel Kapitän, im Hintergrund Wald und der Stuttgarter Fernsehturm
    Herrenmaßschneider Fritz Münch mit einem Opel Kapitän vor dem im Bau befindlichen Fernsehturm, ca. 1954/55.
  • Kugelschreiber in Fernsehturm-Form mit passender Schachtel mit aufgedrucktem Turmmotiv
    Miniatur-Fernsehturm als Kugelschreiber, offizielles Geschenk der Stadtverwaltung Stuttgart, hergestellt in den Stuttgarter Werkstätten Lebenshilfe e.V.
  • Gedruckter Führer zum Fernsehturm, auf dem Titelblatt ist der Fernsehturm zu sehen.
    Der offizielle Führer, hier ein unverändertes Exemplar der Erstauflage aus dem Jahre 1959. Ob der schräge Blick eine Anspielung auf die anfänglichen Zweifel an der Standsicherheit ist?
  • Innenseite aus dem Fernsehturm-Führer mit Vergleichsabbildungen hoher Bauwerke
    Ein prominenter Vergleich: Hier zeigt der Fernsehturm eindrucksvoll, welche Höhe er mit seinem schlanken Schaft erreicht. Der Schaft beginnt mit einem Durchmesser von 10,80m und verjüngt sich auf 5,10m!
  • Zeichnung des Turmkorbes
    Der Aufbau des Turmkorbes mit seinen verschiedenen Nutzungen wird in mehreren Zeichnungen im offiziellen Führer erläutert – kein Wunder bei dieser Neuheit!
  • Postkarte mit Fernsehturm und Reisebus im Vordergrund
    Der Fernsehturm war schnell ein beliebtes Postkartenmotiv und das Ziel von Reisegruppen
  • Titelblatt mit Zeichnung von Personen, die Bälle in die Luft werfen, Fernsehturm im Hintergrund
    Monatsschrift des Dt. Turnerbundes von 1973 mit dem Fernsehturmmotiv.
  • Luftaufnahme des Fernsehturms mit Panorama von Stuttgart
    Ansichtskarte mit Luftaufnahme des Fernsehturms: "Europas kühnstes Bauwerk - 221m hoch", 1956/58.
  • Silberlöffel mit Stiel in Fernsehturm-Form
    Der Fernsehturm als Stiel eines Löffels: ein wenig veränderte Proportionen, dafür aber gut erkennbar.
  • Streichholzbriefchen mit Fernsehturm-Motiv
    Und die Höhe bleibt das Thema: auf dem Streichholzbriefchen wird mit Europas höchstem Turmrestaurant geworben.
  • Druckgrafik, links der Fernsehturm, rechts die Stadt Stuttgart, dazwischen zwei Männer die jeweils in die andere Richtung blicken.
    Getrennte Ansichten: Schau ich lieber auf den imposanten Turm oder von dort in die Stadt? Mappe des Verkehrs- und Wirtschafsförderungsamts der Stadt Stuttgart,
  • Postkarte vom Fernsehturm, bei dem das Innenleben des Turmkorbs dargestellt ist.
    Die Aufklapp-Postkarte deckt das umfangreiche Innenleben des Turmes auf!
  • Deckblatt und Innenseite der Speisekarte aus dem Fernsehturm-Restaurant
    Die zweisprachige Speisekarte des Restaurants in Form des Turmkorbes aus dem Jahre 1959: Our Television Tower Specialities / Nos Spécialités “Fernsehturm”. Ein Einblick in die anspruchsvolle Küche der 1950er Jahre!

Ausdruck vom 26.02.2017
http://www.stadtmuseum-stuttgart.de/60-jahre-fernsehturm-stuttgart.html