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Stadtmuseum Bad Cannstatt

»S’isch reacht gwäe«

Cannstatter Frauengeschichte(n) aus fünf Jahrhunderten: Arbeitswelten, Emanzipation, Politik und Religion

11.11.2017–15.04.2018

»S’isch reacht gwäe«, musste der überraschte Kirchenpfleger der Gemeinde Schmiden zugeben, nachdem Lenore Volz die Kanzel nach ihrer Predigt wieder verlassen hatte und der Gottesdienst beendet war. Das war mitten im Zweiten Weltkrieg und »Fräulein Volz«, vollausgebildete Theologin, aufgrund der Richtlinien in der damaligen Landeskirche aber nur als »Pfarrgehilfin« im Dekanat Bad Cannstatt angestellt, hatte ihre Sache gut gemacht. Allein wegen des kriegsbedingten Personal- mangels hatte sie die Erlaubnis erhalten, das den Männern vorbehaltene Predigtamt in mehreren Gemeinden vertretungs- weise zu übernehmen. Bis in die sechziger Jahre bemühte sich die Nachfahrin des Reformators Brenz mit Argumenten aus der Bibel und Mitstreitern beiderlei Geschlechts die Landeskirche davon zu überzeugen, auch Frauen für das Pfarramt zuzulassen. Als diese 1968 endlich Pfarrerinnen werden durften, fühlte sich Lenore Volz (1913–2009) zu alt für eine eigene Gemeinde und wurde 1970 Krankenhaus­seelsorgerin.

Dies ist eine von rund 50 Frauen-Geschichten aus Cannstatt, die in drei einander ergänzenden Ausstellungen, im Stadtmuseum Bad Cannstatt, in der Stadtteilbücherei Bad Cannstatt und in der Galerie Wiedmann, im Winter 2017 / 18 präsentiert werden.

Die Ausstellung im Stadtmuseum Bad Cannstatt eröffnet den Reigen. Hier spannt sich der Bogen vom Mittelalter bis in die Gegenwart und beleuchtet dabei exemplarisch Frauen­bio­graphien aus unterschiedlichen Schichten. Von Beginen, vermeintlichen Hexen, Wieder­täuferinnen, über die Posthalterin, das Dienstmädchen und die Fabrikarbeiterin führt der Weg bis zu Vertreterinnen der bürgerlichen und linken Frauen­emanzipa­tions­bewegung, zu Fachärztinnen und Lokalpolitikerinnen der ersten Stunde, um nur einige Beispiele zu nennen. Dabei werden viele der Frauen­bio­graphien und Objekte das erste Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Teilausstellung in der Stadtteilbücherei wird den »Frauen der Feder und des Wortes«, den Schriftstellerinnen und Schauspielerinnen, gewidmet sein, die Ausstellung in der Galerie Wiedmann den Künstlerinnen der Bereiche Bildhauerei, Malerei und Design.

In der Zusammenschau zeichnen die drei Ausstellungen ein Bild der steinigen Wege der Frau in der Gesellschaft durch die Zeiten hin zu größerer Teilhabe und zur Gleichberechtigung. Immer gibt es dabei einen Cannstatt-Bezug. Die geschilderten Frauen wurden in Cannstatt geboren oder verbrachten hier zu Teilen oder in Gänze ihr berufliches oder privates Leben oder hinterließen in Cannstatt, wie zum Beispiel Anna Haag mit dem 1951 eröffneten Anna-Haag-Haus, damals ein Wohnheim für alleinstehende Frauen und Mädchen, ihre Spuren.

Dauer der Ausstellung
11.11.2017–15.04.2018

Info und Anmeldung für Gruppenführungen
Tel. 0711 / 56 47 88 (nur zu den Öffnungszeiten)
Tel.0711/21696400 (Mo–Fr)
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Öffnungszeiten
Mi 14–16 Uhr, Sa 14–17 Uhr, So 12–18 Uhr

Sonderöffnungszeiten über die Feiertage
Di, 26.12.2017 (Weihnachten), 12–18 Uhr
Mo, 01.01.2018 (Neujahr), 12–18 Uhr
Sa, 06.01.2018 (Heilige Drei Könige), 14–17 Uhr
So / Mo, 01. / 02.04.2018 (Ostern), 12–18 Uhr
24. / 25. / 31.12.2017 geschlossen

Eintritt frei

Öffentliche Führungen
keine Anmeldung erforderlich, Gebühr 3 Euro p.P.
Mi, 22.11.2017, 16 Uhr, Dr. Manfred Schmid
So, 10.12.2017, 15 Uhr, Helga Müller
Di, 26.12.2017, 15 Uhr, Olaf Schulze
So, 07.01.2018, 15 Uhr, Claudia Weinschenk M.A.
Mi, 31.01.2018, 16 Uhr, Dr. Manfred Schmid
So, 18.02.2018, 15 Uhr, Olaf Schulze
Mi, 21.03.2018, 16 Uhr, Helga Müller
So, 15.04.2018, 15 Uhr, Claudia Weinschenk M.A.

Dokumente & Links

Veranstaltungort

Stadtmuseum Bad Cannstatt

Marktstraße 71/1 (Klösterle)
70372 Stuttgart-Bad Cannstatt

Tel (0711) 5647 88
(während der Öffnungszeiten)
Tel (0711) 216 964 00
(Mo -Fr / Planungsstab Stadtmuseum)

Weitere Informationen zum Veranstaltungsort

Ausdruck vom 20.11.2017
http://www.stadtmuseum-stuttgart.de/1447.html